Geschichte

Sulgen erscheint in den historischen Quellen erstmals im Jahre 806 als «Sulaga», was sinngemäss «Wälzlache für Wildtiere» bedeutet; damit wird auf die Hochmoore hingewiesen, die das Dorf früher umgaben, heute aber mit Ausnahme des geschützten Weinmooses verschwunden sind. Seit dem späten Mittelalter verlief die Niedergerichtsgrenze mitten durch den alten Dorfkern, wobei der Teil nördlich der Kirche zur Herrschaft Bürglen, der Teil an der unteren Kirchstrasse zum Kloster Kreuzlingen gehörte. Für den oberen Dorfteil ist eine alte Verfassung aus dem Jahre 1472 erhalten. Darin ist beispielsweise festgelegt, in welchem Umkreis der Gemeinde die Gerichtsuntertanen ohne besondere Erlaubnis heiraten und Wohnsitz nehmen durften oder welche Abgaben sie als Leibeigene zu entrichten hatten. Trotz der trennenden Gerichtsgrenzen entstand im Laufe der Jahrhunderte aber eine Dorfgemeinschaft, die sich gegenüber den Gerichtsherren eine gewisse Autonomie zu bewahren wusste. Das Ansehen, das die Gemeinde genoss, äusserte sich unter anderem auch dadurch, dass Sulgen zeitweise Tagsatzungsort der eidgenössischen Gesandten im Thurgau war.


Grundherren waren in erster Linie das Chorherrenstift St.Pelagi in Bischofszell und das Kloster Kreuzlingen. Die Erblehenbauern des Dorfes mussten ihnen einen jährlichen Grundzins für ihre Güter abstatten. Davon ausgenommen waren die Inhaber von Eigengütern, die auch ein freies Verfügungsrecht über ihren Besitz hatten. Das Recht, den Zehnten von allem Getreide, Obst, Gemüse und Wein zu beziehen, lag beim genannten Chorherrenstift. Im Dorfe selber gab es mit den Familien Engeli, Etter, Hagg, Krapf und Stäheli eine wohlhabende Schicht, welche die wichtigen Ämter und einträglichen Gewerbe für sich beanspruchte. Die restlichen Bewohner, die zum grösseren Teil rechtlich benachteiligte Hintersässen waren, gingen meist einer gemischten Tätigkeit als Kleinhandwerker und Kleinbauern nach. Da das Dorf immer wieder von schweren Pestzügen und Hungersnöten heimgesucht wurde und die Landwirtschaft nur einer begrenzten Zahl von Bewohnern eine Existenz bot, blieb Sulgen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts eine kleine Siedlung von 300 bis 400 Seelen. Alteingesessene Geschlechter waren dabei neben den bereits erwähnten Familien: Belz, Bommeli, Forster, Friedrich, Grülich, Hugentobler, Klauser, Kradolfer, Mock, Sigrist, Welter, Wolfender usw.
Der Bau zweier Eisenbahnlinien und die Einführung der Stickereiindustrie brachten dann im 19. Jahrhundert einen raschen Aufschwung. Die ursprüngliche Siedlung entlang der Kirchstrasse wurde zu eng, so dass bald neue Dorfteile entstanden. Später kamen auch Gewerbe anderer Branchen hinzu, die es zu ansehnlicher Grösse und Blüte brachten und teils ihren traditionsreichen Namen bewahren konnten. Die grössten Industriebetriebe sind heute die Belimed AG, die Hochdorf Swiss Nutrition AG, die Tool-Temp AG, die Erich Keller AG, die Medienwerkstatt AG, die Sidag AG und die Walter AG.


Sulgen ist das Zentrum der Gemeinde. Als grösster Ort der Gemeinde beherbergt es nicht nur die Gemeindeverwaltung und ein Sekundarschulzentrum, sondern auch die beiden Kirchen. Das evangelische Gotteshaus wurde übrigens bis zum Jahre 1961 als sogenannte Simultankirche von beiden Konfessionen gemeinsam benützt.


Per 01.01.1995 wurde die Ortsgemeinde Riedt aus der Munizipalgemeinde Sulgen entlassen und in die Politische Gemeinde Erlen überführt. Die bisher zur Munizipalgemeinde Bürglen gehörenden Ortsgemeinden Donzhausen und Hessenreuti wechselten zur Munizipalgemeinde Sulgen. Der zur Ortsgemeinde Opfershofen gehörende Weiler Uerenbohl wechselte direkt zur Ortsgemeinde Sulgen. Per 01.01.1996 wurde die bisherige Ortsgemeinde Kradolf aus der Munizipalgemeinde Sulgen entlassen und in der neugegründeten Politischen Gemeinde Kradolf-Schönenberg integriert. Die ehemaligen Ortsgemeinden Donzhausen, Götighofen, Hessenreuti und Sulgen bilden seit dem 01.01.1996 die Politische Gemeinde Sulgen.

 

Wappen der Politischen Gemeinde Sulgen